Oh nein – ich glaube ich sterbe! So schnell wie ich kann springe ich aus meinem Bett im Wohnzimmer und renne ans andere Ende der Wohnung. Alles in mir ist auf Flucht ausgerichtet. Schneller Herzschlag, ich hechle stark und meine Augen sind weit aufgerissen, mein Schwanz klemme ich mir weit zwischen die Hinterbeine ein.

Langsam kommt Jenny hinter mir her und legt mir sanft mein Geschirr an. Sie macht die Leine dran und ich folge ihr vorsichtig und skeptisch ins Wohnzimmer. Dort bin ich knapp einem Unglück entgangen und nun sollte ich wieder dorthin. Aber Jenny strahlt für mich eine Ruhe aus und das fühlt sich gut an. Jenny geht mit mir zu diesem Ungeheuer. Ich weiß nicht genau was das ist. Es ist groß und man kann raus auf die Straße gucken. Jenny fasst dieses Ungeheuer an und macht es auf. Es ist wie so eine große Tür, nur das wir dort nie durch gehen. Es ist auch viel höher in der Wand. Jenny nennt es Fenster. So gruselig. Ich möchte am liebsten wieder ganz schnell weg. Geht aber nicht. Die Leine kommt auf Zug und weiter weg kann ich nicht. Jenny spricht leise mit mir. Ich kann sie gar nicht richtig wahrnehmen. Sieht sie denn nicht, dass das Ding da gefährlich ist und wir lieber weg laufen sollten??? – Komisch, es passiert gar nichts weiter. Das Ding ist offen und ich rieche die Luft von draußen. Puhh, ein Glück, ich kann wieder durchatmen und gehe in mein Bettchen. Jenny schenkt mir einen leckeren Keks und streichelt mich. Jetzt höre ich sie auch besser. Sie sagt sowas wie Prima, Toll gemacht, so mutig bist du. Weiß zwar noch nicht was das bedeuten soll, aber es hört sich gut an.

Jedes Mal wenn Jenny jetzt dieses Fenster aufmacht oder zumacht, bin ich an der Leine dabei. Ich finde es immer noch doof. Das zeige ich Jenny auch. Ich will immer weg. Aber Jenny hält mich fest und spricht mit mir. Solange Jenny dabei ist, kann ich es gerade aushalten. Ich hoffe sie macht auch noch andere Sachen mit mir. Langsam merke ich, dass ich Hunger bekomme. Ich liege in meinem Bettchen im Wohnzimmer, unter diesem blöden Fensterdingens. Jenny sitzt auf der großen Couch und hat was gefressen. Das riecht echt gut. Heute Morgen konnte ich nichts fressen. Da hatte ich wieder große Angst. Da waren so komische Geräusche in der Küche. Aber jetzt ist es ruhig und ich bekomme Appetit. Ich stehe langsam auf und gehe zu Jenny. Sie hat ihre Schüssel auf den großen Tisch gestellt. Diesen Tisch mag ich. Da kann ich alles sehen was drauf steht. Ich schaue zu Jenny, dann in Richtung Küche und berühre vorsichtig die Schüssel mit meiner Nase. Jenny beobachtet mich genau. Ich habe ihre volle Aufmerksamkeit. Und ja, sie hat mich auch verstanden. Bin ich froh! Wir gehen zusammen in die Küche und sie stellt mir Fleisch in einem Napf auf den Boden. Ich koste ein wenig und kurz danach merke ich wie mein Magen sich zusammen zieht. Kein gutes Gefühl. Ich höre auf zu fressen und gehe wieder in mein Bettchen ins Wohnzimmer und schlafe noch ein bisschen. Der Tag war bisher echt anstrengend gewesen.

Irgendwann später werde ich wach. Es ist schon dunkel draußen. Jenny hat wieder ganz viele Decken auf den Boden gelegt und sitzt darauf und lächelt mich an. Oh ja, jetzt kuscheln wir wieder. Ich springe freudig aus dem Bett und komme zu Jenny und lege mich zwischen ihre Beine. Sie streichelt mich am ganzen Körper. Sooo gut ist das! Auf diese Zeit freue ich mich schon den ganzen Tag lang. Plötzlich steht Jenny auf und holt eine kleine Tüte. Sie setzt sich neben mich und ich sitze auch schon, um alles genau zu beobachten. Sie nimmt etwas aus der Tüte in ihre Hand und macht die Hand zu. Dann hält sie mir die geschlossene Hand und die offene Hand entgegen. Ich rieche etwas leckeres in der Faust. Die andere Hand ist nicht so interessant. Ich stupse mit meiner Nase gegen Jennys Faust. Nichts passiert. Ich schaue Jenny an und lege den Kopf schief, um sie besser zu verstehen. Sie sitzt nur da und lächelt.

Ich habe das Gefühl ich muss nur das Richtige tun und dann bekomme ich den Keks. Alles klar. Was kann ich machen? Ich lecke ihre Faust, ich fiepe leise, ich fiepe laut, ich stehe auf, ich setzte mich hin, ich setze mich weiter weg, ich lege mich hin, ich drehe mich auf den Bauch, ich sitze wieder, ich lecke wieder an der Faust. Och menno, nichts klappt. Was soll ich denn noch machen? Ich schaue ratlos zur offenen Hand. Da sagt Jenny plötzlich Touch und gibt mir den Keks. Häää? Was habe ich denn gemacht? Jenny nimmt einen neuen Keks, wieder in die gleiche Faust. Ich lecke an der Faust, ich fiepe, ich probiere alles aus. Dann schaue ich wieder verdattert auf die offene Hand und Jenny sagt Touch und gibt mir den Keks. Ahhh – ich soll was mit der anderen Hand machen?! Nochmal bitte! Diesmal schaue ich gleich zur offenen Hand und schupps, hab ich den Keks schon im Maul. Ich glaub ich habs verstanden. Ich bin ganz aufgeregt. Nochmal Jenny! Diesmal stupse ich die offene Hand an und Jenny sagt Touch und ich darf den Keks nehmen. Das macht mir jetzt echt Spaß. Dann wechselt der Keks plötzlich in die andere Hand. Ok, ich muss nur die offene Hand anstupsen und dann bekomme ich den Keks. Kapiert! Nach gefühlt zu wenigen Keksen, streichelt mich Jenny liebevoll und flüstert mir schöne Worte ins Ohr. Ich lege mich wieder auf den Bauch und lasse mich kraulen. Jenny weiß schon ganz genau was ich mag.

Mit diesem schönen Gefühl gehen wir kurz nach den Streicheleinheiten raus in den Garten. Dort weiß ich schon genau wo ich Pipi und Kacka machen kann. Aus dem Garten raus gehen finde ich immer noch blöd. Darum bin ich froh, als es gleich wieder rein geht. Naja, nur die Tür finde ich auch noch unheimlich. Jenny lockt mich an der Leine mit einem Keks hindurch. Schnell durch, puhh, geschafft.

Irgendwann später kommt Rene nach Hause. Er freut sich mich zu sehen und streichelt mich. Dann setzten sich beide auf den Boden und ich setze mich gleich daneben. Was machen wir jetzt? Jenny nimmt einen Keks in die Faust und hält mir die Faust und die offene Hand hin. Sofort erinnere ich mich an dieses Spiel. Ich stupse die offene Hand an und ich bekomme den Keks aus der Faust. Rene schaut mich verwundert an. Dann nimmt er einen Keks in die Faust und macht dasselbe wie Jenny. Ich weiß ja jetzt wie das Spiel geht und zeige Rene die Regeln. Ich stupse seine Faust an und zum Glück hat er verstanden, dass ich danach den Keks bekomme – und nicht er. Das macht er noch ein paar Mal mit mir. Ich könnte dieses Spiel ewig weiter machen. Jenny und Rene lachen mich an und freuen sich sehr. Darüber freue ich mich auch. Mit einem wohligen Gefühl lege ich mich abends ins Schlafzimmer auf meine Schlafmatte und träume diesen ganzen Tag nochmal durch. Schön wars. Außer diese Fensterungeheuer und die Tür. Aber ich glaube das wird irgendwann auch besser. Ich lebe ja immerhin noch. Und morgen spielt Jenny bestimmt wieder dieses tolle Touch-Spiel mit mir.

Im nächsten Kapitel erzähle ich dir, wie ich meine Hundegroßeltern kennen lerne.

Tierische Grüße, Dolima

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